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Nachlass Adolf Straus

Adolf Straus (1904-1986)

Wir möchten Ihnen mit Adolf Straus einen "märkischen Botaniker" vorstellen, der nicht nur in Berlin und in der Region um seinen sommerlichen Wohnsitz in Groß Köris im Dahmeland, sondern auch in anderen Gegenden Deutschlands tätig gewesen ist.

Die Biografie wurde dem "Festband": 1859 bis 2009 – 150 Jahre Botanischer Verein von Berlin und Brandenburg. Erforschung der Pflanzenwelt von Berlin und Brandenburg.- Beiheft 6 der Verhandlungen des Botanischen Vereins von Berlin und Brandenburg entnommen.

Um einen Einblick in seine botanische Arbeit und sein umfangreiches Archiv zu vermitteln, stellen wir seinen Nachlass nach und nach auf unseren Webseiten ein. Zunächst werden seine Aufzeichnungen überwiegend aus Berlin und Brandenburg, die er auf zahlreichen Karteikarten hinterließ, abrufbar sein. Sie enthalten Fundortdaten von Pflanzenarten sowie Vegetationsaufnahmen.

Nach den Fundortdaten von Pflanzenarten wurden nun auch seine zahlreichen Vegetationsaufnahmen aus Berlin, Brandenburg und teilweise auch angrenzenden Gebieten eingepflegt. Korrekturen sind stets willkommen.

Das Flechtenherbarium von A. Straus wurde in das Herbarium des Botanischen Gartens und Botanischen Museums Berlin BGBM aufgenommen. Fundangaben zu ca. 400 Proben sind unter The Lichen Herbarium abrufbar. Bitte geben Sie in das Feld "Collector" A. Straus ein.

Das Archiv von A. Straus wird von Hans Sonnenberg (Naturparkverwaltung Dahme-Heideseen) verwaltet und kann dort eingesehen werden. Wir bedanken uns bei H. Sonnenberg und I. Lange (geb. Straus) für die freundliche Unterstützung.

Adolf Straus

ADOLF STRAUS war ein renommierten Tertiär-Paläobotaniker und außerdem als Florist, Pflanzensoziologe, Mykologe und Naturschützer vielfältig in Brandenburg tätig.

Geboren am 6. Februar 1904 in Berlin-Luisenstadt als Sohn des Buchdruckereibesitzers CARL STRAUS und seiner Ehefrau MARTHA, geb. JESKE, war Straus vom Vater als sein Nachfolger ausersehen. Nach Besuch des Leibniz-Gymnasiums in Berlin, an dem er 1922 das Reifezeugnis erhielt, machte er zunächst eine Ausbildung als Volontär in einer Hildesheimer Buchdruckerei bei gleichzeitigem Besuch der Kunstgewerbe- und Handelsschule. Dann studierte er in Berlin und Göttingen Volkswirtschaft und Jura. In Göttingen kamen aber seine naturwissenschaftlichen Interessen zum Durchbruch, und er wechselte zur Philosophischen Fakultät und studierte vor allem Botanik und Geologie. Seine Dissertation Pflanzenreste aus dem Oberpliozän von Willershausen (1929/30) war der Anfang für eine jahrzehntelange Beschäftigung mit dieser Fundstelle. 1930 trat er als Prokurist in das väterliche Geschäft ein, das er nach dem Tode des Vaters 1941 übernahm. Eine Haupttätigkeit bestand in dem Druck von Militärformularen. Seine Pflanzen- und Pilzkenntnisse konnte er nach dem Krieg in Volkshochschulkursen und bei der Pilzberatungsstelle des Magistrats von Berlin einsetzen. Kurze Zeit war er Assistent an der Geologischen Landesanstalt und arbeitete auch mit einem Forschungsauftrag am Geologisch-Paläontologischen Institut der Humboldt-Universität. Später war er freiwilliger Mitarbeiter an der Arbeitsstelle für Paläobotanik der Deutschen Akademie der Wissenschaft. Daneben leitete er bis 1954 seine Buchdruckerei, die er dann verpachtete. Die Einkünfte daraus und aus einem Bildverlag reichten für einen bescheidenen Lebensstil, so dass er nie längere Zeit eine bezahlte Tätigkeit ausübte. 1963/64 vertrat er den Leiter der Pilzabteilung am BGBM. Kurze Zeit lehrte er auch an der Freien Universität Paläobotanik. Er war verheiratet und hatte eine Tochter. Am 3. November 1986 ist er in Berlin verstorben.

Die wichtigsten Arbeiten von STRAUS betreffen die Paläobotanik und sind zentriert in der Pliozänfundstelle von Willershausen. Über Jahrzehnte hat er diesen Ort allein und mit Kollegen immer wieder aufgesucht und ständig neue Funde gemacht. Die Erhaltung der Blätter, aber auch anderer Pflanzenteile und von Tieren war außerordentlich gut. Viele Pflanzenreste hat er selbst untersucht, andere gab er weiter. Neun Arten von Fossilien aus Willershausen sind nach ihm benannt. Nach und nach entstand ein lebendiges Bild einer Lebensgemeinschaft aus dem Oberpliozän. In Berlin beteiligte sich STRAUS an der ersten Pflanzengeographischen Kartierung Deutschlands, die vom Botanischen Museum ausging. Er bearbeitete besonders das Gebiet um Groß-Köris, für das er 1955 einen Naturkundlichen Wanderführer schrieb. Schon 1933 und 1936 veröffentlichte Straus vegetationskundliche Arbeiten über das Naturschutzgebiet Schildow und "Sonnige Hügel" bei Küstrin. Im Sammelband Die Pflanzenwelt Brandenburgs (1955) behandelte er die Sandfluren und Heiden. Nach dem Krieg wandte sich STRAUS verstärkt der Pilzfloristik zu und veröffentlichte eine Reihe von Arbeiten zur Pilzflora Brandenburgs.

STRAUS war seit den Dreißiger Jahren ein sehr eifriges Mitglied des Botanischen Vereins. Gerne stellte er seine Kenntnisse auf den verschiedensten Gebieten und auch die Schätze seiner Bibliothek zur Verfügung. Der Verein ernannte ihn zum Ehrenmitglied.

ADOLF STRAUS war ein bescheidener und stets hilfsbereiter Mann mit großen Kenntnissen, der wegen seiner großen Kooperativität allgemein beliebt war.

Gerhard Wagenitz

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